Waldschrat zum 11ten mal!

SSVB-Jugendcamp Herbst 2003

Und wieder ruft der bayrische Wald..
Nachdem Kai schon ein paar Tage früher per Zug bei mir eingerückt ist (und wahrscheinlich nie wieder ohne zuvor ein gültiges Testament abzusegnen als Ballast vorne auf meinen Trainingswagen mitfährt, vor allem nicht in der Kombination aufgerüstetes Dreirad plus 7 benzingetunkte Dorfathleten bei Nacht *frinsel*), geht's am Dienstag in der Früh bahnuntypisch pünktlich (08:54 Uhr) in Richtung seeliger Waldschrathof. Genau 6:19 Reisestunden, einem München-Hbf-Schnellfraßmittagessen und äußerst nervigen Zug-Bus-Zug Tauschereien wegen Gleisarbeiten später trudeln wir samt Gepäck in besagtem Huskyparadies ein - überraschender Weise sogar als erste!!
Thomas hat seinen Damenzwinger fast fertig (fehlt, wie er sagt, nur noch TV, eine Sauna und Hausbar für jeden Wuffel) und wir bestaunen ausgiebig das beeindruckende Domizil, währenddessen zwei mal je ein Doppelpack Campteilnehmer den matschigen Waldschrathof invadieren.
Zusammen mit den saumäßig schwer auseinander zu haltenden Zwillingsmädels Accident-Itzy (Patrizia) und Bitzy-Scratchy (Bettina) und den beiden bereits im Sommer beteiligt gewesenen "Gnomen" (wenn eine amüsante Sache in den letzten 10 mal Camps aufgekommen ist, dann sind das die phantasievollen Rufnamen der Teilnehmer!!) Andi und Jan inklusive Franz & Maria füttern wir die verzückten Waldschrathuskies.
Das ungleiche Doppelpack Ali + Laura kommt für diesen Spaß zwar zu spät, aber Thomas' leckeres Abendessen zu verpassen, weit gefehlt!
Im Matratzenlager gibt es dann die obligatorischen Unruhen aufrührerischer Schlafsackterroristen, was in einer wilden "Immer-Feste-Druff" Kissenschlacht ausartet.
Eigentlich relativ zeitig beziehen Kai, Laura, Maria und ich Stellung in der Gästeküche auf dem geheiligten Fußboden. Wie es aber halt mal bei uns eingespieltem Chaosquartett so ist, kommt der Schlaf dann gar nicht so zeitig und das weiß sich zu rächen..

TAG 1:
Egal, ein Wecker kennt keine Gnade und pünktlich um 05:55 Uhr startet der Tag. Die Hunde kennen das auch nicht, nur klingt ihr (leider unerwünschtes) Heulen bedeutend melodischer..
Bis 07:30 ist dann auch die Küche von uns gerichtet - und offenbar hat Franz im Touristenlager das Fenster vergessen, denn die kältegeplagten Campler sind unverhofft früh auf den Socken. Na gut, uns solls recht sein, dann können wir frühstücken!
Bis 10:30 Uhr sind dann auch die Wuffs verladen, was bedeutet, Lachssuppe wurde kellenweise "an den Hund" gebracht, Scheiße gekratzt, die Gespanne aufgeteilt und die vierbeinigen Turbolader in den waldschrätischen Zuckellaster eingeboxt.
Oberlüftenegg Trail ruft, eine nette, 5700m zu 100 Höhenmeter lange Wagerlrunde mit genau zwei mal "HAW" als potentielle Gefahrenquelle (sieht man von dem periodisch auftretenden Eis-Laub-Matschbelag am Boden ab) und wunderschönen Ausblicken auf den Bayrischen Wald.
Vier Gespanne: acht, sechs, vier und drei Hunde plus den todesmutigen Kamikazefahrern Laura und Maria, die sich für Mud-Drifting mit Rollern entschieden haben, starten dann in zwei Gruppen. Und natürlich wäre Laura nicht Laura gewesen wenn es ihr irgendwann inmitten der Strecke nicht den Reifen zerrissen hätte und sie dann mit einem nicht sehr begeisterten Kerbi am Strick den Weg nach hinten antreten musste.
Nun, ich habe aber auch nicht schlecht geschaut, als Federgewicht Maria plötzlich an meinem 6-Wuffs-Team vorbei geflogen kam.. Bimbo-Mama Nanderl (die schwarzen Unfall-Bimbos haben nun Namen und laufen wie die blöden!!) macht ihrem Nachwuchs mal wieder alle Ehre, und Maria verpasst sie Flugstunden..
Zurückgekommen sind wir sehr spät, daran war die Einweisung Schuld. Was aber nicht bedeutet, dass uns das Mittagessen weniger gut schmeckt!
Den Nachmittag verbringen wir oben im Tourilager und die Mädels versuchen, Kai ein zivilisiertes Aussehen zu verpassen: Augenbrauen zupfen, Haare eingelen und solcherlei Späße (wer den Kerl quietschen gehört hätte, würde sich Gedanken machen, ob da nicht irgendwas schief läuft mit dem Gleichnis von den Mushern und den Steinen..). Doch da es so schön war, kriegt Franz Gut zum Schreck seines bärbeißigen Papas eine ganz unwaldschrätische Gelfrisur aufgedrückt - am Haargel muss ich noch arbeiten, das riecht zu modern!!
Schließlich schneit auch Esther herein, die wir von letztem Herbst kennen, und es wird noch einmal sehr turbolent. Kai scheint sein neues Aussehen zu Kopf gestiegen zu sein, denn er schafft es tatsächlich, bis zur Zwingerflucht abends kein deutsches Wort mehr zu verlieren. Offenbar ist das Yu-Ca nicht nur fürs Mushing, sondern auch für die allgemeine Völkerverständigung (Amerikanisch-Crashkurs pur!) zuständig.
Um 23:00 Uhr wagen dieser mutierte Ami und ich uns dann barfuß durch den Eisregen hinaus zum Fonsehotel. Die Wuffs freuen sich so, dass sie außer ein paar seichten Winslern und Kettengerassel nicht mal Bellen. Gut, dann kriegen wir schon mal keine aufs Dach! Die schulterbreite, wacklige Hundehütte ist auch ganz anderer Komfort als auf dem (ungewischten) Küchenfußboden zu liegen.. Vor allem bei herrlichem Nachtfrost.

TAG 2:
Punkt 06:00 Uhr heulen die Hunde. Autsch, das wird sicherlich wieder uns angelastet! (Wir sind aber Kronzeugen dass die Weiber angefangen haben!)
Frühstück, Hunde machen und anschließend das Kronjuwel des Tages: die Wagenfahrt. Gnomi (ich glaube, der "Gnomi" heißt in Wirklichkeit Andi) darf sogar den letzten Kilometer selbst steuern und macht die Sache nicht mal schlecht. "Gnom" Jan tauscht mit mir und Kai als Chauffeur bei der zweiten Runde, während Thomas, Esther, Andi, Itzi und ich die Ankunft abwarten, beziehungsweise Thomas' filmreife Flohzirkuseinlage mit dem offenbar unsichtbaren Hauptdarsteller "Floh Egon" genießen.
Und unsere Kamikazerollerer gehen mit Creek und Kelly an den Start: 13 bzw. 15 Jahre sind die beiden Goldie-Oldies, aber das hält vor allem die alte Kelly-Lady nicht davon ab, wie ein Ochse zu ziehen. Beeindruckend!
Mittagessen und die Tourilagerhockerei ergeben sich wie üblich. Aber um 15:00 Uhr starten wir zu einer absoluten Highlight-Aktion: sechs Campler plus ein Ersatzhund und Laura als Musherin spannen sich mit Geschirren, Halsbändern und Zugleinen vor ein Dyck-Dreirad (mit Passagier!) und traben so die 2-3km lange Strecke nach Frauenau, um dort im Edeka Markt die fürs Abendessen benötigten Einkäufe zu erledigen. Kai und ich waren wie üblich die Leithunde dieses abstrus anmutenden Gespanns, welches dann vor dem Edeka kurzerhand auf dem Autoparkplatz abgestellt wird. Dieses Fortbewegungsmittel erregt in dem bayrischen Dörflein einiges Aufsehen (was geht die Strecke auch ständig an der Straße entlang, wo uns jeder "bestaunen" kann!). Hoffentlich kriegt Thomas jetzt keine Anzeige wegen Kinderarbeit *kicher*
Und dann Highlight Nummero Zwei: Kochteam Laura, Kai, Itzi und ich bereiten Spaghetti Chaos-nese zu, wovon sogar die Bolongnese-Muffel unter den Campteilnehmern sagen, es sei gut gewesen! Damit können wir uns wenigstens bei Thomas revanchieren, weil er bringt echt spitzen Essen auf den Tisch.
Irgendwann um 20:00 Uhr ist dann auch der letzte Teller gespült und wir verkrümeln uns wieder ins Lager. Geratscht wird, zumindest was Kai und mich betrifft die dreiviertelte Nacht lang (irgendwann wieder bloß noch auf Englisch) und da es einfach zu spät wird, müssen wir wohl oder übel im Tourilager nächtigen...

LETZTER TAG:
Nie wieder. Da kann ja kein Hund schlafen! Der Zwinger ist echt das einzig Wahre.
Mit einem herzhaften Frühstück startet der Tag und sogar Esther macht sich echt super: sie kratzt ohne zu Murren scheiße und Hunde füttern klappt plötzlich auch gut! Mit Badeschlappen haben wir sie schon auf den Hof bekommen, mal sehen wie viele Camps es noch braucht, bis sie barfuß läuft.. *grins*
Um 10:00 Uhr fahren wir dann zum Training los, die alte Kelly läuft bei mir im Team (ich bin von der alten Lady echt beeindruckt! Zähes - und hübsches - Zugmonster) und auch so sind die Hunde ziemlich fitt. Nur Kai und ich produzieren Chaos am laufenden Band. Na ja, ich glaub dafür bin ich seit Jahren gebrandmarkt, zu was heißt es auch "das Allgäuer Chaos-Pack".
Um 12:30 Uhr kehren wir heim und nach einem herzhaften Weißwürstel-Mittagessen geht es ans Packen. Wie üblich war das Camp viel zu kurz und seltsamerweise sind wir gar nie zum Spleißen und Clickern gekommen .. ? Aber gelohnt hat es sich.
Kein Tag ohne Aufregung, und wenn man sich mal vorstellt dass wir 6 Leute samt Gepäck in Alis Schrottbüchse gesteckt haben.. ! über 500.000km (!) hat der rauchblaue Mercedes auf dem rostigen Buckel und verrichtet seit 16 oder 17 Jahren mehr oder weniger treu seinen Dienst.
Einen Orden für die besten Wackel-Massagesitze die ich kenne und Schlafen kann man auf der mehrstündigen Heimfahrt auch..

(Nachtrag: während der Bericht hier zustande kommt sitzen Kai und ich bei Ali daheim, trinken Tee und essen Lebkuchen. Zu was vergessen Eltern die Ankunft und lassen einen dann spät abends Stunden lang warten.. so werden Berichte geschrieben!)


Good Mush von dem Allgäuer Chaospack

Auf eine gute Saison :-) Fransi Rottmaier


(PS: wir haben das ultimative Waldschrat-Haargel gefunden!!!! frisches LACHSÖL!!!
Und Kai kann sogar im Dreck auf Kommando "Platz"! *staun*)